- Am 11. Oktober 2026 veröffentlichte Nikkei Asia einen Meinungsbeitrag von Kuniyoshi Sakai, Professor für Sprachneurowissenschaften an der Universität Tokio, der ein Verbot von KI und digitalen Schulbüchern im Unterricht vorschlägt.
- Im Juni 2026 änderte das japanische Parlament das Bildungsgesetz und verlieh digitalen Schulbüchern denselben rechtlichen Status wie gedruckten Ausgaben. Damit wurde der Weg für eine breitere Nutzung geebnet.
- Sakai warnt, dass eine unzureichend kontrollierte Digitalisierung der Bildung die Sprachkompetenz, das Leseverständnis, das Gedächtnis und das selbstständige Denken von Schülerinnen und Schülern schwächen könnte.
- Eine Umfrage aus dem Jahr 2025 unter 1.062 japanischen Studierenden im Alter von 18 bis 29 Jahren ergab, dass 20 % keine Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften zu lesen pflegten und 10 % beim Lernen keine Notizen machten.
- Dem Autor zufolge schnitten Studierende, die weder lesen noch schreiben, bei einem Leseverständnistest auf Sekundarschulniveau sehr schlecht ab.
- Sakai argumentiert, dass gedruckte Bücher dabei helfen, sich die Position von Informationen und die Struktur von Wissen einzuprägen, während elektronische Bücher die räumliche Orientierung innerhalb von Inhalten beeinträchtigen könnten.
- Er erklärt, dass der ständige Zugriff auf Links, QR-Codes und Online-Inhalte es Lernenden erschwere, sich zu konzentrieren und den Umfang des zu beherrschenden Wissens zu bestimmen.
- Der Autor kritisiert generative KI, weil sie Lernende dazu verleiten könnte, sich auf vorgefertigte Antworten zu verlassen, wodurch weniger Gelegenheit bleibt, Ausdrucksfähigkeit und Kreativität zu trainieren.
- Als Beispiel wird die juristische Fakultät der University of California, Berkeley, angeführt, die den Einsatz von KI bei den meisten benoteten Prüfungen und schriftlichen Aufgaben einschränkt, einschließlich Gliederungen und sprachlicher Überarbeitung.
- Sakai ist der Ansicht, dass selbst der Einsatz von KI zur Ideenfindung oder Satzkorrektur die Möglichkeiten zur Entwicklung von Schreibfähigkeiten verringern kann.
- Er warnt vor einer möglichen neuen Kluft zwischen Menschen, deren Denkfähigkeiten durch übermäßige KI-Abhängigkeit nachlassen, und jenen, die ihre Fähigkeit zur eigenständigen Problemlösung bewahren.
- Aus diesen Gründen schlägt der Autor ein vollständiges KI-Verbot im Bildungswesen vor, um die Entwicklung geistiger Selbstständigkeit bei künftigen Generationen zu schützen.
📌 Der Meinungsbeitrag wirft Fragen zu den langfristigen Auswirkungen von KI und Digitalisierung auf die kognitiven Fähigkeiten auf. Eine Umfrage unter 1.062 japanischen Studierenden zeigt bedenkliche Anzeichen hinsichtlich ihrer Lese- und Schreibgewohnheiten. Dieser Zusammenhang reicht jedoch nicht aus, um zu beweisen, dass Technologie unmittelbar einen Fähigkeitsverlust verursacht. Das vollständige Verbot von KI ist die Position des Autors und unterscheidet sich von Ansätzen, die eine kontrollierte Integration befürworten. Die zentrale Herausforderung für die Bildung besteht darin, sicherzustellen, dass Lernende grundlegendes Wissen und selbstständiges Denken entwickeln, bevor sie KI als Hilfsmittel einsetzen.

