- Der Artikel analysiert das Paradoxon in Südkorea, wo das Land massiv von der KI-Welle profitiert, junge Arbeitskräfte jedoch deutlich negative Auswirkungen auf dem Arbeitsmarkt zu spüren bekommen.
- Sowohl Samsung Electronics als auch SK Hynix haben dank der weltweit stark steigenden Nachfrage nach KI-Chips und Rechenzentren die Marktkapitalisierung von 1 Billion USD überschritten. Die Mitarbeiter von Samsung erzielten zudem eine Gewinnbeteiligungsvereinbarung mit einer durchschnittlichen Prämie von fast 400.000 USD für die Beschäftigten in der Speicherchip-Sparte.
- Laut einer Umfrage des Pew Research Center gehört Südkorea zu den wenigen großen Ländern, in denen die Zahl der KI-Optimisten die der Pessimisten übersteigt.
- Die Vorteile der KI konzentrieren sich jedoch hauptsächlich auf die Gruppe der Arbeitnehmer mit stabiler Beschäftigung in großen Konglomeraten, während die Beschäftigten von Subunternehmern und kleinen und mittleren Unternehmen (SMEs) weiterhin niedrigere Löhne erhalten und weniger geschützt sind.
- Eine Studie der Bank of Korea zeigt, dass das Land in den letzten drei Jahren 211.000 Arbeitsplätze in der Altersgruppe der 15- bis 29-Jährigen verloren hat, während die Zahl der Arbeitsplätze für Menschen in den Fünfzigern um 209.000 stieg.
- Der Rückgang der Jugendbeschäftigung ist in Branchen, die stark von KI betroffen sind, besonders gravierend: Computerprogrammierung und Systemintegration gingen um 11,2 % zurück, das Verlagswesen um 20,4 %, freiberufliche Dienstleistungen um 8,8 % und Informationsdienste um 23,8 %.
- Forscher nennen dies das Phänomen des „dienstaltersorientierten technologischen Wandels“ (seniority-biased technological change). Dabei ersetzt KI leicht Aufgaben, die auf standardisiertem Wissen basieren und meist von Neueinsteigern übernommen werden, während sie Arbeiten unterstützt, die kumulierte Erfahrung, Kommunikationsfähigkeiten und das implizite Wissen langjähriger Mitarbeiter erfordern.
- Ein ähnlicher Trend zeichnet sich auch in den USA ab, insbesondere in der Softwareentwicklungsbranche, jedoch gilt das Ausmaß in Südkorea aufgrund einer stark segmentierten Arbeitsmarktstruktur zwischen „Insidern“ mit sicheren Arbeitsplätzen und „Outsidern“ mit schwerem Zugang zu Chancen als ausgeprägter.
- Nach Angaben des Korea Labor Institute schützen Großunternehmen in Südkorea bestehende Mitarbeiter sehr stark. Bei der Einführung von KI entlassen Unternehmen keine Altangestellten, sondern fahren die Neueinstellungen zurück, sodass der Großteil der Anpassungslast auf junge Arbeitssuchende fällt.
- Die OECD warnte bereits 2022, dass Südkoreas Großkonzerne zunehmend mehr Kapital, Technologie und Outsourcing nutzen, anstatt neue Arbeitsplätze zu schaffen. Unterdessen warten viele Absolventen weiterhin auf Chancen in Großkonzernen oder im öffentlichen Sektor, anstatt in kleinen und mittleren Unternehmen zu arbeiten, was bei diesen zu einem Mangel an qualifizierten Fachkräften führt und die Produktivitätssteigerung erschwert.
- Die südkoreanische Regierung richtet den „Future Response Fund“ ein, um die gestiegenen Steuereinnahmen aus der Halbleiterindustrie zu nutzen, um in Großprojekte zu investieren, Ungleichheiten abzubauen und die Beschäftigung von Menschen im Alter von 20 bis 30 Jahren zu fördern.
- Eine vorgeschlagene Lösung besteht darin, Unternehmen zu subventionieren, die junge Arbeitskräfte in der Anfangsphase einstellen und ausbilden, in der sie noch keine nennenswerte wirtschaftliche Wertschöpfung erzielen. Gleichzeitig sollen Ausbildung, Kapital und soziale Absicherung für Freiberufler ausgebaut und junge Menschen ermutigt werden, KI-basierte Start-ups zu gründen, um neue Geschäftsmodelle zu erschließen.
- 📌 Fazit: KI wirkt sich nicht auf alle Arbeitnehmergruppen gleichermaßen aus. Während die südkoreanischen Halbleiterkonzerne eine Marktkapitalisierung von über 1 Billion USD erreichten und die Mitarbeiter eine durchschnittliche Prämie von fast 400.000 USD erhielten, verlor die Wirtschaft in nur drei Jahren 211.000 Arbeitsplätze von Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren. Der Fall Südkorea ist eine Warnung, dass KI ohne angemessene Richtlinien für Ausbildung, Beschäftigung und Start-up-Förderung die Kluft zwischen jungen und erfahrenen Arbeitskräften vergrößern und die Ungleichheit auf dem Arbeitsmarkt weiter vertiefen kann.
Nimmt die KI den jungen Arbeitskräften die Chancen? Eine besorgniserregende Lektion aus Südkorea für die ganze Welt
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