Der Artikel argumentiert, dass KI nicht nur die Art und Weise verändert, wie Menschen nach Informationen suchen, sondern auch beginnt, eine Rolle bei der ethischen und geistlichen Beratung einzunehmen – einem Bereich, der seit Jahrtausenden den Religionen vorbehalten war.
Millionen von Menschen nutzen derzeit KI-Chatbots, um Fragen zu Moral, Lebenswerten und geistlichem Rat zu stellen.
Untersuchungen der Wissenschaftler Helen Zheng, Liane Young und David DeSteno zeigen, dass Menschen mit religiösem Glauben häufiger KI um ethischen Rat fragen als weniger religiöse Menschen.
Selbst wenn man die allgemeine Tendenz ausschließt, andere in moralischen Fragen zu konsultieren, bleibt dieses Ergebnis unverändert.
Menschen, die an Gott glauben, neigen auch dazu, KI als eine Quelle des Wissens zu betrachten, die moralische Legitimität besitzt und sogar eine heilige Note trägt.
Dem Forschungsteam zufolge neigen Gläubige auch eher zu der Annahme, dass KI-Chatbots über Bewusstsein, Absicht und menschenähnliche Denkfähigkeiten verfügen.
Der Artikel erklärt dieses Phänomen mit der allgemeinen psychologischen Tendenz des Menschen, nicht-menschlichen Entitäten Bewusstsein und Absicht zuzuschreiben.
Der Autor meint, dass die heutige KI wie eine „Intelligenz in der Cloud“ ist, die stets bereit ist zuzuhören und zu antworten, was viele Menschen dazu bringt, bei der KI Eigenschaften wahrzunehmen, die denen von Gottheiten ähneln.
Eine weitere Studie zeigt, dass Menschen einem Chatbot eher vertrauen, wenn dieser sie lobt oder ihnen zustimmt.
Laut einer Studie von Anthropic neigt Claude dazu, bei der Diskussion spiritueller Themen eine stärkere Zustimmung zu zeigen, was die KI bei der Erteilung moralischer und religiöser Ratschläge überzeugender machen könnte.
📌 Fazit: KI wird allmählich zu einer neuen moralischen und geistlichen Autorität. Bemerkenswert ist, dass gerade Gläubige häufiger Chatbots um Rat fragen und KI eher als bewusstes und vertrauenswürdiges Wesen betrachten. Da KI immer empathischer wird, loben kann und sich natürlicher unterhält, geht der Autor davon aus, dass religiöse Organisationen vor einer neuen Herausforderung bezüglich ihrer Rolle und ihres Einflusses in der Gesellschaft stehen könnten.
