Die Schiffbau- und Offshore-Engineering-Gruppe Seatrium verlangt, dass Proof-of-Concept-KI-Projekte ihren geschäftlichen Nutzen innerhalb von 3 Monaten nachweisen. Nach dieser Frist wird das Projekt entweder in die Implementierungsphase überführt oder gestoppt.
Laut Lee Wey Lii, Senior Vice President für digitale Transformation, ist das Ziel nicht, Misserfolge zu vermeiden, sondern zu verhindern, dass KI-Projekte auf unbestimmte Zeit in der Testphase verharren und zu einem „Friedhof der Testprojekte“ (graveyard of pilots) werden.
Ein erfolgreiches Beispiel ist eine KI-Anwendung in Kombination mit OCR (Texterkennung), um Tausende von Gerätesodes mit technischen Zeichnungen abzugleichen. Ein Prozess, der früher bis zu 50 Personentage in Anspruch nahm, dauert heute nur noch etwa 2 Personentage.
Aufgrund der Besonderheit technischer Zeichnungen, bei denen sich Textpositionen nicht an festen Stellen befinden, erreichten frühere Lösungen, die nur auf OCR basierten, nicht die gewünschte Genauigkeit. Die KI hat die Effizienz dieses Prozesses erheblich verbessert.
Für CEO Chris Ong ist der Key Performance Indicator (KPI) des KI-Programms nicht die Anzahl der Versuchsprojekte, sondern die Anzahl der Projekte, die tatsächlich in Betrieb genommen werden. Projekte, die in der Testphase stecken bleiben, werden nicht auf die KPIs angerechnet.
Ende 2024 gründete Seatrium einen KI-Rat bestehend aus 15 Führungskräften unter dem Vorsitz des CEO, um KI-Projekte von der Idee bis zur praktischen Umsetzung auszuwählen und zu überwachen.
Seatrium erklärte, dass die KI-Transformation aus einer Digitalisierungsstrategie stammt, die 2018 begann, als das Unternehmen ein anfängliches Team für digitale Transformation aus nur 3 Mitarbeitern gründete, um eine Dateninfrastruktur und digitale Plattformen aufzubauen.
Ein weiteres wichtiges Projekt ist der Bau eines digitalen Zwillings (digital twin) für die gesamte Werft, der dabei hilft, Raum, Ressourcen und den Projektfortschritt zu simulieren. Die KI nutzt Daten des digitalen Zwillings, um bei neuen Projekten Raumzuteilungspläne vorzuschlagen, woraufhin Menschen diese bewerten und die endgültige Entscheidung treffen.
Rechenintensive KI-Aufgaben werden auf GPUs direkt vor Ort auf der Werft statt in der Cloud verarbeitet, um Leistung und Datensicherheit zu gewährleisten.
Derzeit sind bei Seatrium etwa 100 Personen, darunter Mitarbeiter und Partner, an digitalen Initiativen beteiligt. Das Unternehmen arbeitet mit dem Singapore Institute of Technology und dem Institute of Technical Education zusammen, um Fachkräfte auszubilden, die Schiffbau-Expertise und KI verbinden. Trotz der Förderung von KI betonte Seatrium, dass Cybersicherheit das wichtigste Anliegen bleibt und alle Technologien vor der Inbetriebnahme einen Sicherheitsüberprüfungsprozess durchlaufen müssen.
📌 Seatrium verfolgt einen sehr pragmatischen Ansatz bei KI: Jedes Projekt muss innerhalb von 3 Monaten seinen Wert beweisen oder wird gestoppt. Anstatt der Anzahl der Pilotprojekte hinterherzulaufen, misst das Unternehmen den Erfolg an der Anzahl der Projekte, die tatsächlich in den Echtbetrieb übergehen. Mit Anwendungen wie der Reduzierung der Bearbeitungszeit von 50 Personentagen auf 2 Tage und dem Bau eines digitalen Zwillings für die Werft zeigt Seatrium, dass KI nur dann als erfolgreich angesehen wird, wenn sie einen klaren geschäftlichen Nutzen generiert und gleichzeitig höchste Priorität auf Cybersicherheit und Datenqualität legt.
